top of page

ABOUT PORTRAITURE 2
 

 

Ausstellung   

02. 12. 2022 - 17 - 22 Uhr

03. 12. 2022 - 12 - 15 Uhr

jourUNfixe -  Ein Werkstattgespräch

03. 12. 2022 - 15. 17 Uhr

Das Kolloquium hat sich bereits in 2021 und 2022 mehrfach getroffen. Für ABOUT PORTRAITURE 2 wurde die Runde mit der Frankfurter Malerin Corinna Meyer erweitert.

ABOUT PORTRAITURE erhob keinen Anspruch auf eine vollständige Analyse des Sujets und beabsichtigte auch nicht, eindeutige Antworten zu geben.

Vielmehr richtete sich das Interesse des Kolloquiums auf den gegenseitigen künstlerischen Austausch und die Entwicklung der Gedanken im Gespräch. Die künstlerische Interpretation als Methode stand dabei im Vordergrund. Intuition, Inspiration im Vergleich mit historischen Vorbildern, philosophischen und gesellschaftlichen Konzepten bildeten den Rahmen für unsere Gespräche.

“If the doors of perception were cleansed every thing would appear to man as it is, Infinite. For man has closed himself up, till he sees all things thro' narrow chinks of his cavern.”

William Blake, The Marriage of Heaven and Hell

Die Perspektive, aus der wir uns dem Thema nähern, kann aus allen Richtungen kommen. Das eigene künstlerische Selbstverständnis füllt dabei den "Denk- und Sehraum" und setzt gleichzeitig die Grenzen.

Als ich die Idee zu ABOUT PORTRAITURE hatte, war es mir eine Herzensangelegenheit, diese Denkräume mit anderen zu befragen. Da es sich um Porträts handelt, wird das Persönliche wichtig, die persönliche Hinwendung zum anderen - die eigene Haltung des Malenden und des Gemalten. Das Selbstporträt spielt dabei eine besondere Rolle.

For Family and Friends

Die Portraitmalerei ist aus dem Bedürfnis entstanden, sich an Verstorbene zu erinnern. Es begann mit Totenmasken und dem Abdruck von Gesichtern, der Silhouette, der Schattenlinie und Mumienporträts. Das Abbild von Gesichtern und Körpern begleitet uns seit sehr, sehr langer Zeit. Es ist in dem persönlichen Umfeld tief verankert.

Irgendwann wurde der Abdruck von Gesichtern zum Bildnis von Herrschern mit der Forderung nach Anbetung, was nochmal viel später zum Verbot des Bildnisses - Du sollst dir kein Bildnis machen - führte und zum Ikonoklasmus.

 

Der französische Philosoph Didi Hubermann hat die Malerei leibhaftig genannt und über Haut geschrieben, als ein Organ, eine Abgrenzung zur Umgebung. Die Haut umschreibt den Körper organisch, klar und  doch mit einer Zartheit, die sich der Linie beim Zeichnen nicht einfach aufdrängt. Rubens hat Haut auf wunderbar malerische Weise dargestellt - eine leise Melodie von rot, grün, blau und gelb.

 

Was passiert beim Malen eines Menschen, der einem nahesteht? Wie übersetze ich das, was ich beobachte in Pinselbewegung, wie wähle ich die Farben auf der Palette, wie organisiere ich die Fläche der Leinwand? Was passiert in der Bewegung des Pinsels auf der Leinwand  mit dem ganzen Wissen - dem Wissen um den Menschen, den ich porträtieren möchte, was passiert mit meinem Wissen über die Interaction of Color, die Anatomie, die Kunstgeschichte, Rubens? Spielt mein Wissen über die Kritik an der figurativen Malerei und dem Wissen, dass in Frankfurt etwas anderes in der Luft liegt - als zum Beispiel in Dubai - wirklich ein Rolle. Sollte es eine Rolle spielen? Warum male ich Portraits, und mit malen meine ich auch zeichnen, das Arbeiten mit Stoff, Papier und Ton.

Mit Felicity Brown rede ich oft über das Bildermachen und das Geschichtenerzählen und wie sehr wir alle Geschichten lieben - über die persönlichen Geschichten, die sie während ihrer Love Heart Journey in LA gesammelt hat und über die Geschichten, denen wir auf unserer Adam and Eve Journey in New Mexico begegnet sind.

Als Kunden von Friseuren reden wir gern über uns selbst.In A Hero with a Thousand Faces sammelt Joseph Campbell die zeitlosen Geschichten der Menschheit. Die von Narziss erzählt uns etwas über die Leiden der Selbstkonstruktion.

 

In unserer diesjährigen Runde interessierte uns besonders das Portrait als ein persönliches Anliegen, etwas, dass nicht für ein großes Publikum gedacht ist, sondern dass wir für uns machen, für die Privatsphäre, das Zuhause, das Schlafzimmer.

 

Wir trafen uns also auch, um zu zeichnen, ohne den Anspruch große Kunst zu schaffen, einfach nur zusammen zu zeichnen und zu reden.

So war ABOUT PORTRAITURE 2 am 02. und 03. Dezember halb Ausstellung, halb eine Einladung an die Besucher in den privaten Bereich des Ateliers zu kommen, wo skizzenhafte Zeichnungen zu sehen waren, die ein Vortasten zeigen, manchmal souverän, manchmal unbeholfen und die für eine ‚normale‘ Ausstellung selten ausgewählt werden. Die Malerei von Corinna Mayer mitten auf der Wand zeigt sie selbst mit ihrem Freund. Es ist ein persönliches und intimes Doppelportrait.

 

Zum Abschluss an die Ausstellung fand ein jourUNfixe statt, eine weitere Einladung an die Besucher, teilzunehmen an der Erfahrung des Sich-Gegenseitigen-Zeichnens und Kennenlernens.

Carolin Kropff

Frankfurt, 04/12/2022

Gedanken über das Zeichnen eines Porträts

von Britta Kadolsky

 

Das Porträt zeigt oft nur das Gesicht der Person.

Haben wir dann eine Person gut getroffen, wenn wir ein gelungenes Porträt gezeichnet haben? Was ist gelungen? Wenn wir die Ähnlichkeit treffen? Oder gelingt es uns die Charaktereigenschaften, die Seele und die wichtigsten Gedanken festzuhalten, während wir zeichnen/malen?

 

Wir haben uns zum Zeichnen getroffen und uns gegenseitig porträtiert. Jeder in seinem Stil:

  • präzise und genau mit Kohle,

  • malerisch mit Pinsel und Farbe,

  • mit suchendem wildem Strich mit Bleistift oder

  • schnell und lax skizzierend mit dem Filzstift.

Herausgekommen sind nach 5 bis 40 Minuten sehr unterschiedliche Portraits von ein und demselben Menschen. Gibt es ein Richtig oder Falsch? Auf jeden Fall wollen wir alle eine Ähnlichkeit mit dem Porträtierten erreichen. Und: uns allen gemeinsam ist eine leichte Unzufriedenheit mit dem Ergebnis.

In jedem entstandenen Bild findet auch immer die Zeichner*in/die Maler*in ihren Niederschlag.

 

Was sieht man als Zeichnerin beim Porträtieren? Ich stelle fest, ich schaue, aber ich sehe nicht alles. Ich weiß einfach schon ‚zu viel‘ und das steht mir im Weg. Meine Vorstellungen von einem Gesicht vermischen sich mit dem, was ich tatsächlich sehe. Jedoch glaube ich, ich zeichne nur was ich sehe. Aber während ich zeichne, bringe ich auch etwas von dem auf das Papier, was ich weiß. Ich habe theoretisches Wissen über die Physiognomie im Allgemeinen und über die des Porträtierten im Besonderen („meine Nase ist wirklich krumm“). Davon kann ich mich nicht freimachen und daher zeichne ich nicht nur das was ich sehe. Aber darum geht es, um das wirkliche Hingucken und das genaue Sehen. Es ist eine Herausforderung nur das zu zeichnen, was man wirklich sieht und nicht das was man denkt, das es das Richtige sei.

 

Ein Porträtist galt früher (17./18. Jahrhundert) übrigens als abfällige Bezeichnung für die Künstler, die keine eigenen Ideen hatten und daher „der Hässlichkeit des Gesichts […] unterworfen seien“.  Sie galten nur als Kopist oder Nachahmer und nicht wirklich als Künstler. Außerdem gab es den Anspruch das „wahre Temperament“ das „Wesen“ einer Person wiederzugeben, nicht nur eine äußere Ähnlichkeit. „Ohne Gefühl geht es nicht bei Gesichtsbildern.“

 

Und woran erkenne ich nun den echten Charakter, die inneren Wahrheiten und den wahren Wesenszug? Technisch betrachtet ist das Gesicht die vordere Hälfte des Kopfes, ein dreidimensionales und mit vielen Muskeln besetztes Objekt, das sich bewegt. Und daraus soll ein zweidimensionales Bild entstehen. Und es soll nicht nur die äußere Hülle darstellen, sondern auch das innere Wesen.

Eine schwierige, aber sehr reizvolle Aufgabe.

Corinna Mayer hat an der Städelschule in der Klasse von Hermann Nitsch von 1991 - 1997 studiert und war Meisterschülerin in dem Fach Interdisziplinäre Kunst. Sie schreibt:

Thema meiner Malerei ist die Beziehung und die Beziehungslosigkeit des Menschen zu den Anderen oder zu sich selbst. Die Dargestellten sind ein Spiegel dessen, was wir sind oder gleichzeitig, was wir sein könnten. Es stellt sich die Frage, nachdem, welche Rollen wir im Leben spielen. Verwurzelt in der Vergangenheit ist der Mensch durchdrungen von Sehnsüchten und Imagination. 

In meiner Malerei möchte ich gegensätzliches zusammen bringen und Ambivalenzen zulassen. Ziel meiner Malerei ist es, Bilder zu malen, die eine vielschichtige Wahrnehmung der Wirklichkeit anregt.

Felicity Brown ist eine britische Künstlerin und Fashion Designerin. Sie studierte Kunst und Textildruck an der Glasgow School of Art und dem Royal College of Art, London.

Mit ihrem Bruder Henry Brown gründete sie ihr eigenes Designer-Label und wurde Teil von NEWGEN und das ermöglichte ihr, Kollektionen in London, Paris und New York zu zeigen. Sie zeigte Arbeiten im Victoria & Albert Museum, London, im Handtaschen- museum in Seoul, und im The Fashion Project in den Bal Harbour Shops, Miami, neben Stücken von Jean Cocteau, Elsa Schiaparelli, Léon Bakst und Hussein Chalaayan. Seit 2015 arbeitet sie mit Carolin Kropff zusammen. 

 

Martin Holzschuh war Meisterschüler von Micheal Krebber an der Städelschule. Er schreibt:

Ich zeichnete auch und nicht selten war eine Zeichnung ein Auslöser, um ein neues Bild zu malen, das durch die Materialität der Farbe transformiert wird. Zusehens verdüsterten sich meine Bilder in dunkle fast abstrakte Flächen. Als dies einen Endpunkt erreichte, begann ich wieder durch Skizzen mich einer figurativen Position anzunähern. Der malerische Dialog mit Felicity, Monika und Carolin ist ein guter Anlass, um diese Neuansätze weiterzuführen.

 

Monika Romstein ist bekannt für ihre Aquarelle, Ölgemälde und Installationen, die vom Großformat bis zum Kleinformat reichen. Ihr Werk ist von einer dunklen, eindringlichen und märchenhaften Bandbreite an Referenzen geprägt und umfasst sowohl Bilder aus der häuslichen Realität als auch Landschaftselemente.

Die Figuren und Räume in den intimen Formaten der Aquarelle handeln von der Weigerung, das Diktat der Evidenz zu akzeptieren, das unseren Realitätsraum ausmacht. So tauchen in den Aquarellen Szenerien auf, die zunächst fremd und entrückt wirken, aber immer wieder auf Aspekte unserer Gegenwart und Vergangenheit verweisen. Sie hat an der Städelschule und dem Duncan of Jordanstone College of Art and Design der University of Dundee, Schottland studiert.

 

Britta Kadolsky ist Kunsthistorikerin (MA) mit Sitz in Frankfurt. Sie studierte Kunstgeschichte und Kunstpädagogik an der Goethe Universität Frankfurt, nachdem sie lange Zeit in einer Großbank gearbeitet hatte. Sie malt und zeichnet auch selbst und nähert sich der Kunst sowohl theoretisch als auch praktisch. Während des Studiums entdeckte sie ihre Liebe zum Schreiben über die Kunst und betreibt seit 2020 ihren eigenen Kunstblog ‚Was kann Kunst‘. Dort schreibt sie am liebsten über die moderne und zeitgenössische Kunst und postet regelmäßig Artikel.

 

Carolin Kropff hat an der Kunstakademie Düsseldorf (1991-1995) studiert und der Städelschule Frankfurt (1996 -1998) ihr Studium abgeschlossen. Von 1989-1991 arbeitete sie als Kostümbildassistentin und Herrenschneiderin am Theater Dortmund. 

Von 1999 - 2002 unterhielt sie Ateliers in Madrid, Spanien und 2006 - 2011 in Dubai, VAE. 2020 hat sie den STUDIOSPACE Lange Straße 31 in Frankfurt am Main gegründet. 


 

Mit freundlicher Unterstützung vom Kulturamt Frankfurt.

logo_support_edited.jpg
bottom of page