James Clar / Dennis Loesch

14. 22. März bis 22. März. März 2015

James Clar (geb.1979) studierte an der New York University, Tisch School of Arts, Film & Animation, 2001 und Interaktive
Programming für Telekommunikation, Master in Medienkunst, 2003. James Clar ist ein Künstler, der Technologie als
Medium benutzt, um die dissoziativen Auswirkungen der Technologie selbst zu kritisieren. In den heutigen Medien gesättigten und technologisch integrierten Welt wird die Trennung zwischen realer und computergenerierter Welt immer unschärfer. Sein Werk verwendet kontrolliertes, künstliches Licht als skulpturales Medium mit einer computer-minimalistischen Ästhetik. Sein Thema gleicht jedoch diese datengesteuerten Techniken aus, indem er sich mit den Naturphänomenen beschäftigt (und sie in gewisser Weise "digitalisiert"), mit menschlichen Emotionen oder Beobachtungen des sozio-politischen Umfelds, in dem wir leben.
Clar lebt in New York City, USA.


Dennis Loesch
(*1979) wurde von 2001-2006 an der Städelschule in Frankfurt am Main im Fachbereich Bildende Kunst interdisziplinär ausgebildet.
Das Wechselspiel zwischen digitalen Daten und physischer Objekthaftigkeit ist der konzeptionelle Schwerpunkt von Loesch, der Inhalte aus der persönlichen und öffentlichen Geschichte sowohl de- als auch rekontextualisiert. Bilder von seiner eigenen Festplatte, Computer-Bildschirmschoner, das Cover der Zeitschrift ArtForum und die US-Währung waren jeweils Gegenstand seiner visuellen Manipulation. Darüber hinaus ist Memory Sticks ein methodischer Prozess, eine Art der Arbeit mit verschiedenen Themen, die als eine Erweiterung des geometrischen Minimalismus mit einer starken Wertschätzung für die Aneignung der Popkultur gesehen werden kann. © P-A-M
Loesch lebt in Berlin, Deutschland.

Lange Straße 31 / Dennis Loesch und James Clar (14.3.–22.3.)

Daniel Schierke

In der „Lange Straße 31“ zeigen die Künstler Dennis Loesch (Frankfurt) und James Clar (New York) mit ihren Werken, wozu die Kunst durch den Einsatz digitaler Medien mittlerweile imstande ist. Technisch anspruchsvoll und gleichzeitig mit viel Ironie haben sich die Künstler die neuen Mittel und Materialien aber nicht nur zunutze gemacht, sondern auch Werke geschaffen, die Fragen zu ihrer eigenen Herstellungsweise hervorrufen.

Dennis Loesch präsentiert seine zwölfeinhalb Meter lange Gradient-Arbeit (2013/2014???), die sich aus mehreren Aluminiumträgern zusammensetzt. Diese sind alle im gleichen Abstand zueinander an der Wand angebracht. Für Loesch bilden die in warmen Gelb- und Rottönen gehalten Stäbe ein „universelles Display“, das er in seinem künstlerischen Schaffen schon mit figurativen wie abstrakten Motiven versehen hat. Dabei geht es dem Künstler um die physische Präsenz von Daten, die er auf Stäbe „tapeziert“. Die Idee für die Gradient-Serie ist im Laufe der Beschäftigung mit dem Apple-Programm „Plasma“ entstanden, das als Bildschirmschutzfunktion jedem Computer beigegeben ist. Loesch hatte 2007 zunächst einen Screenshot ausgedruckt und auf Holzblöcke aufgetragen. Diese Übertragungsmethode hat er mittlerweile durch neue Drucktechniken und Materialien perfektioniert.
„SD-Cards“ (2015???) lautet der Titel der zweiten von Loesch gezeigten Arbeit, die sich aus unterschiedlichen Arbeitsschritten zusammensetzt. Zunächst bemalt der Künstler den Untergrund von Leinwänden mit Pigment und Acryl, anschließend trägt er mit Hilfe eines UV-Tintenstrahl-Druckers Speicherkarten auf die Oberflächen der Leinwände auf. Loesch hat es dabei weniger auf den Bildinhalt abgesehen, obwohl auch dieser durch die reduzierte Form und den Kontrast von dunklen und leuchtenden Farben besticht, als vielmehr auf die Funktion des Bildes als Speichermedium. Denn als solches kann im Grunde jedes Bild verstanden werden – es speichert die Zeit, sei sie gemalt, fotografiert oder ausgedruckt. In beiden ausgestellten Werken beschäftigt Loesch die Frage, wie die neuen Medien unser Erinnerungsvermögen prägen.

James Clar lässt es krachen. Seine Lichtinstallation „BOOM“ (2015) besteht aus zwölf Lichtröhren, deren Filter die Farbe kontrollieren und Buchstaben erscheinen lassen, die das Wort „Boom“ erkennen lassen. Mit jedem Buchstaben zieht sich das Wort in die Länge und ahmt so gewissermaßen die Bewegung einer Explosion nach, die sich immer weiter ausdehnt und den Kunstraum sprengt. „BOOM“ ist für den Künstler ein „Pop“-Wort, das die Welt beschreibt, in der wir leben.
Auch bei der Lichtinstallation „Wolf in Sheep Clothing“ (Watch Your Back)“ (2013) übersetzt Clar die Bedeutung des Titels in Licht. Das Wort „Sheep“ sticht auf Grund seiner Helligkeit hervor, doch schon nach kurzem Betrachten wird auch das Wort „Woolf“ lesbar, das Clar in blutroter Farbe wiedergibt.
Bei „Signature (Is Anyone There)“ (2013) handelt es sich um eine Videoprojektion, die Clars Studio-Lichtschalter in Originalgröße zeigt, der stets an- und ausgeschaltet wird, so dass auch das projizierte Bild stets erscheint und wieder verschwindet. Der Künstler benutzt zusätzlich einen Morsecode, um seinen Namen zu buchstabieren und so seine Signatur wie ein Maler ins Bild zu setzen.
Die zweite ausgestellte Videoarbeit trägt den Titel „Tom“ (2012) und lässt eine bearbeitete Fassung einer Tom & Jerry-Zeichentrickfolge ablaufen, bei der Jerry Schritt für Schritt durch Clars Eingriffe aus dem Film verbannt wird und so den Blick auf einen völlig enthemmten Tom freilegt. Clar thematisiert hier nach eigener Aussage den für einen Künstler notwendigen kreativen Prozess und nimmt gleichzeitig noch einen satirischen Blick auf die amerikanische Politik ein, wovon es nie genug geben kann.

Fotos: Neven Allgeier

Text: Daniel Schierke

Organisiert wurde die Ausstellung von Tomislav S. Vukic und mir.

Mit freundlicher Unterstützung von

 

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