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MACHEN 3

ZU LILLY REICH

Mit Cornelia Falkenhan und Sonja Müller

In Kooperation mit Frankfurter Kranz – Netzwerk kulturschaffender Frauen in Frankfurt

Das Werkstattgespräch MACHEN 3 widmet sich den kleinformatigen Materialcollagen von Cornelia Falkenhan, die die Künstlerin und Bühnenbildnerin als assoziativen Kommentar zu Lilly Reich geschaffen hat.

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„Gebauschte, geraffte, gezogene Seide... Textilien jeglicher Art, Kleider, Teppiche oder Vorhangstoff prägen das gestalterische Werk von Lilly Reich.“ (Sonja Müller)

 

Lilly Reich (1885-1947) war Möbeldesignerin, Schaufensterdekorateurin, Modedesignerin und Messegestalterin. Sie absolvierte eine Lehre als Kurbelstickerin, gab Nähkurse, gestaltete Ausstellungen und Messepräsentationen und entwarf Mode und Wäsche in Frankfurt und Berlin. …

Zu LILLY REICH ist ein Projekt von Sonja Müller und Cornelia Falkenhan. Eine Hommage, die sich über ein ganzes Jahr erstreckte. Recherchereisen, literarische Annäherungen und eine Installation in den Räumen des Werkbunds bilden einen künstlerischen Blick auf das frühe Schaffen der jungen Designerin.

Freitag, 26. November 2021 – 18 bis 20 Uhr.

Am Freitag Abend fand MACHEN 3 ZU LILLY REICH statt, eine Kooperation mit dem Frankfurter Kranz, mit Cornelia Falkenhan und Sonja Müller und Gästen.  

Im Gegensatz zu unserem ersten Werkstattgespräch, dass wegen Corona nur online stattfinden konnte, trafen wir uns im STUDIOSPACE Lange Strasse 31 am ‚runden‘ Tisch.

Sonja Müller schrieb über das erste MACHEN (mit Susan Donath und Vroni Schwegler):

Es geht um das MACHEN von etwas, was mit Textil zu tun hat, um Handarbeit, die eher als eine Frauendomäne angesehen wird und um die Idee des gemeinsamen Tuns. Und darum, über das MACHEN miteinander ins Gespräch zu kommen. Ob das realisierbar ist? Und auch: Das MACHEN braucht Zeit. Zeit für den Herstellungsprozess. Diese Zeit ist ein Gewinn. Es ist Zeit, die man miteinander verbringt.

In ihrem Text zitiert sie mich:

Für mich ist das MACHEN – in Gemeinschaft – einem Universum gleich. Die Frage nach der Hand-Kopf-Koordination, das Denken mit den Händen, wenn Material und Handlung anfangen, Strukturen zu schaffen, die sich verselbständigen... und während wir das Tun, MACHEN wir uns Gedanken oder sind unaufmerksam oder erlauben dem Tun, uns in einen Flow zu entlassen. Wir denken über die inhaltlichen Bezüge nach und dergleichen oder eben auch nicht. Ich denke an Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden. Das MACHEN in Gemeinschaft eröffnet dynamische Räume, die ich alleine nicht finden kann. Oder schwieriger. Oder anders.

Und da bin ich auch schon wieder an den Fragen, die um unsere Werkstattgespräche kreisen. Gibt es einen rote Faden? Was passiert, wenn wir uns aufeinander einlassen, ein Thema zum Anlass des Austausches nehmen und dabei einen persönlichen Fingerabdruck hinterlassen?

Ich habe am Wochenende die MasterClass von Cornel West (amerikanischer Philosoph, politischer Aktivist, Schauspieler) angeschaut, in dem er über Philosophie spricht - nicht als eine abstrakte Schule des Denkens - sondern als einen praktischen Leitfaden, der unser Leben leiten kann. Wenn ich Philosophie und Kunst gleichstelle, und das ist ja nicht ungewöhnlich, man spricht von der Wahrheit in der Philosophie und ihrem Äquivalent in der Kunst, der Schönheit, verstehe ich seine Ausführungen als inspirierende Beschreibungen, was Kunst idealerweise in der Lage ist zu erreichen. Wenn wir seine Definition annehmen, dann hinterlassen wir beim Kunstmachen einen Fingerabdruck unseres Selbst und unserer Beziehung zur Welt. Mit den Mitteln der Kunst untersuchen wir, was uns ausmacht, was wir denken und wie wir fühlen und was uns unverwechselbar und einzigartig macht, ohne dabei die Verbindung zum größeren Ganzen zu unterschätzen oder aus den Augen zu verlieren. Wenn wir ehrlich zu uns selbst bleiben, erleben wir den Moment des Schaffens als einen Moment von kreativer Freude, eine Introspektion und ein Ausdruck zugleich. Beim MACHEN 3 ging es auch darum, Zeit miteinander zu teilen.

Das allmähliche Herstellen von Dingen beim Machen und das allmähliche Verfertigen von Gedanken beim Reden ist eine perfekte Kombination und Einladung, sich selbst und andere kennenzulernen und die Dinge der Welt in Relation zu den Dingen die bereit liegen, in die eigenen Hände zu nehmen und über sie zu sprechen.

Die zwei Stunden (oder waren es drei oder vier) am runden Tisch sind wie im Flug vergangen. Die ausgewählten Materialien, der gemeinsame Grund, bereitgestellt und sorgfältig arrangiert von Cornelia und Sonja, haben alle Teilnehmerinnen unkompliziert eingeladen, eigene Collagen zu schaffen, inspiriert von Cornelias Collagen, die wiederum inspiriert waren von Lilly Reichs Arbeit und der gemeinsamen Recherchearbeit ZU LILLY REICH und in der Verlängerung auch von allen Teilnehmerinnen.

Die von uns geschaffenen Collagen könnten unterschiedlicher nicht sein, einzigartig und eigensinnig, durch einen roten Faden verbunden.

Ich habe von allen Beteiligten viel gelernt und bedanke mich sehr herzlich für die wundervolle Zeit zusammen.

                         MACHEN 3 wurde unterstützt von der Hessischen Kulturstiftung - Brückenstipentium

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