„“  MICHAEL KLIPPHAHN & ANNA NERO

2. Juli 2021 - 19-23 Uhr 

Der Text von Angelica Horn über die Ausstellung ist in Vorbereitung.

Michael Klipphahn gehört einer Generation von Künstler*innen an, die als so genannte „Digital Natives“ nicht mehr über den Inhalt von Bildinformationen aus dem Netz nachdenken müssen, sondern sich diese zunutze machen. Diesen Künstler*innen ist zu eigen, dass sie das Datenvolumen des Internets als ebenso faktische Realität ansehen wie die nicht-virtuelle Welt. Zu diesem Selbstverständnis gehört wiederum das Wissen darüber, dass für die breitere Masse Abbildungen der Malerei aus dem Netz relevanter sind, als der Blick ins Museum. Deshalb interessieren den Dresdner Künstler u. a. das Geschönte aus der Welt digital generierter Plakate, Zeitschriften und Werbekampagnen und dort vor allem die Optik, die Glätte und die Oberfläche. Der Betrachter in seinen Werken wird mit einer sehr kraftvollen Ästhetik, trotz der kleinen Bildausschnitte, konfrontiert, die sich zunächst dem Hyperrealismus verschreibt. Doch dieses Wort greift zu kurz und bedeutet nur einen kleinen Einblick in den Handlungsspielraum und der Leistungsfähigkeit des Künstlers, der sich seine Ressourcen ganz ungeniert aus dem Datenstrom des WWW abzweigt. Denn neben der übersteigerten Wirklichkeit, die wir wahrzunehmen glauben, sieht die Betrachter*in Posen und Haltungen, die ganz gezielt eine gewisse Betrachtungshierarchie vorgeben. An dieser Stelle ist vielleicht nicht der gezeigte Gestus oder das Bild an sich das Aggressive, sondern die Art und Weise, wie der Künstler den Betrachter*innen klammheimlich einen voyeuristischen Blick unterjubelt. Mitnichten ist hierbei etwas Anstößiges gemeint, mehr eine Fixierung auf eine scheinbare Bedeutsamkeit gepaart mit quasireligiösen Elementen des Massenkonsums. Dabei geht es dem Künstler darum eine Form von Distanz zu erzeugen, die keine Motive generiert, sondern einem diktierten Abstand, den er zum Gezeigten oder Dargestellten einnimmt.

Stephan Franck, M.A. Dresden

Michael Klipphahn hat an der Hochschule für Bildende Künste Dresden Bildende kunst und Kunstgeschichte studiert und war Meisterschüler von Ralf Kerbach Er lebt und arbeitet in Dresden.

https://www.mklipphahn.net

Anna Nero: "Mich interessieren Möglichkeiten der Repräsentation. Wann wird Farbe zu Gegenstand oder Raum? Ich nähere mich mithilfe der Malerei den banalen und profanen Dingen. Ich hauche ihnen Leben ein oder besetze die Welt mit eigenen, erfundenen Objekten, deren Funktion nur erahnt werden kann. Kleckse, Farbwülste und Gesten mutieren zu Objekten - oder gar Subjekten - flirten miteinander oder stoßen sich ab. Bilden Verwaltungsräte, Konglomerate, Imperien! Ich kratze an der Oberfläche aller Dinge, an ihrer Beschaffenheit, Stofflichkeit, Funktionalität, ihrem Kontext, ja sogar ihrem Wesen oder ihrer Agenda. Einen weiteren inhaltlichen Aspekt meiner Arbeit stellt das Thema Sex und Sexualität dar. Dies ist vor allem ein Derivat aus meiner Auseinandersetzung mit Fetischismus und lustvollen oder liebevollen Mensch-Ding- Beziehungen. Mich interessiert Fetisch sowohl auf der sexuellen Ebene als auch in seiner ursprünglichen Rolle als Kultobjekt, Reliquie oder Götzenbild."

Anna Nero hat an der HGB, Hochschule der Bildenden Künste Leipzig studiert and war Meisterschülerin von  Heribert C. Ottersbach. Sie lebt und arbeitet in Frankfurt am Main.

http://cargocollective.com/annanero

Bilder von rechts nach links:

Michael Klipphahn: Hose, Öl auf Papier, kaschiert auf Holz, 30X24cm, 2017

Michael Klipphahn: Nabel, Öl auf Papier, kaschiert auf Holz, 2020

Michael Klipphahn: Nacken, Öl auf Papier, kaschiert auf Holz, 30X24cm, 2017

Michael Klipphahn: Skater, Öl auf Papier, kaschiert auf Holz, 40X30cm, 2018

Anna Nero: Bracket, Öl und Acryl auf Leinwand, 2021

Anna Nero: Miami Heat, Öl und Acryl auf Leinwand, 2021

Anna Nero: Betonwald, Öl und Acryl auf Leinwand, 2021

Anna Nero: Knuckles, glasierte Keramik, 2019

Anna Nero: Gruen und Speckig, Öl und Acryl auf Leinwand, 2020

Video: © Michael Klipphahn

Bilder: © Robert Schittko

Vorherige 'Paare" waren:

Jens Lehmann / Paul Zita. Text: Nicoletta Danila.

Cristiana de Marchi / Susanne Schwieter. Text: Angelica Horn.

Vroni Schwegler / Alex Katz. Text: Angelica Horn.

Hannes Norberg / Peter Roehr. Text: Angelica Horn.

Martin Holzschuh / Mohammed Ahmed Ibrahim. Text: Cristiana de Marchi.

Susan Donath & Vroni Schwegler. Text Dr. Sonja Müller.

Anschließend:

Hassan Sharif & Carolin Kropff. Text: Angelica Horn & Cristiana de Marchi.

Mohammed Kazem & Ekrem Yalçındağ. Text: Cristiana de Marchi, Angelica Horn.

Cristiana de Marchi & Günter Zehetner. Text: Angelica Horn.

 

Die Ausstellung wurde freundlicherweiser unterstützt vom Kulturamt Frankfurt und dem Frauenreferat Frankfurt.

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