„“  - Mohammed Kazem & Ekrem Yalcindag

 

Am Samstag, den 25. September 2021, präsentierte der STUDIOSPACE Lange Straße 31 Werke der Künstler Mohammed Kazem und Ekrem Yalcindag.

Texte von Cristiana de Marchi und Angelica Horn sind in Vorbereitung.

"Wiederholung und Variation stehen im Mittelpunkt von Kazems und Yalcindags Praxis, genau wie ihr erster Zugang zur Malerei durch die ästhetische Beschäftigung mit den französischen Meistern des Impressionismus. Die Auseinandersetzung mit einem unbestreitbaren, wenn auch oft heruntergespielten östlichen kulturellen Hintergrund - Yalcindag wurde in der Türkei geboren und zog im Alter von 30 Jahren nach Deutschland, während Kazem in Dubai geboren wurde und immer noch in den Vereinigten Arabischen Emiraten lebt - und einer gewählten Hinwendung zum westlichen Kunstkanon, laden zu einer Reflexion über Strategien der Selbstpositionierung innerhalb der größeren Welt ein und unterstreichen die Relevanz eines gemeinschaftsbasierten Engagements im Prozess der Herausbildung einer künstlerischen Persönlichkeit."

Cristiana de Marchi, “Pictures for the blind”. Ekrem Yalcindag and Mohammed Kazem in the exhibition series „“

"Ich beschäftige mich mit ephemeren Elementen wie den unmerklichen Bewegungen von scheinbar festen Objekten und Situationen und dem Vergehen der Zeit. Alles ist ständig in Bewegung, während die Zeit vergeht: Man kann die Zeit nicht festhalten, und doch existiert man in ihr. Wir können diese universelle Bewegung nicht visuell wahrnehmen; unsere eigene Existenz ist in Bewegung. [...] die meisten meiner Projekte stellen Bewegung dar, ohne sie zu visualisieren". (Mohammed Kazem)

Cristiana de Marchi, “Mohammed Kazem”, in Eungie Joo, Ryan Inouye (eds.), The Past, the present, the possible. Sharjah Biennial 12, Sharjah Art Foundation, 2015, pp. 252-259, 252

"Die Arbeiten von Ekrem Yalcindag sind subtil: Sie berühren Kontexte, lassen sie aber auch ruhen. Geometrie, Abstraktion und Konkretion tauchen in seinen Werken auf wie diskrete genetische Spuren einer Verschmelzung verschiedener formalästhetischer Welten. Doch kaum glaubt man, sie entdeckt zu haben, verschwinden sie schon wieder". (Dorothea Strauß)

Dorothea Strauss, “Foreword”, in Dorothea Strauss, Christoph Doswald (eds.), Ekrem Yalcindag, Kehrer, 2013, pp. 3-7, p. 6

 

Die Frankfurter Philosophin Angelica Horn und die in Dubai lebende Künstlerin und Schriftstellerin Cristiana de Marchi wurden beauftragt, Essays zur Ausstellung zu schreiben, die nach der Veranstaltung hier veröffentlicht werden.

 

Über die Künstler:

Mohammed Kazem (geboren 1969, Dubai) lebt und arbeitet in Dubai. Er hat eine künstlerische Praxis entwickelt, die Video, Fotografie und Performance umfasst, um neue Wege zu finden, seine Umgebung und Erfahrungen zu erfassen. Die Grundlagen seiner Arbeit sind durch seine Ausbildung als Musiker geprägt, und Kazem beschäftigt sich intensiv mit der Entwicklung von Prozessen, die flüchtige Phänomene wie Klang und Licht greifbar machen können. In seinen Arbeiten verortet sich Kazem oft selbst und reagiert auf geografische Gegebenheiten, Materialität und die Elemente als Mittel zur Behauptung seiner Subjektivität, insbesondere in Bezug auf das rasante Tempo der Modernisierung in den Emiraten seit der Gründung des Landes.

Kazem war zu Beginn seiner Karriere Mitglied der Emirates Fine Arts Society und gilt als einer der "Fünf", einer informellen Gruppe emiratischer Künstler - darunter Hassan Sharif, Hussein Sharif, Mohamed Ahmed Ibrahim und Abdullah Al Saadi -, die an der Spitze der konzeptionellen und interdisziplinären Kunstpraxis stehen. Im Jahr 2012 schloss Kazem seinen Masterstudiengang in Bildender Kunst an der University of the Arts in Philadelphia ab. Seit 1986 nimmt er an den Jahresausstellungen der Emirates Fine Arts Society in Sharjah sowie an zahlreichen Ausgaben der Sharjah Biennale teil und erhielt 1999 und 2003 den ersten Preis für Installationen. 2007 war er Kurator der Sharjah Biennale. In den letzten Jahren hat Kazem an mehreren Gruppenausstellungen im Mori Art Museum (2012), der Boghossian Foundation (2013), dem Gwangju Museum of Art (2014) und der Fotofest Biennale in Houston (2014) teilgenommen. Er hat dreimal auf der Biennale von Venedig ausgestellt: 2009 als Teil einer von Catherine David kuratierten Gruppenausstellung, 2013 vertrat er die VAE mit einer immersiven Videoinstallation mit dem Titel Walking on Water, die von Reem Fadda kuratiert wurde, und 2015 zeigte er Werke aus der Serie Tongue bei 1980 - Today: Exhibitions in the UAE, kuratiert von Sheikha Hoor Al Qasimi. Seine Werke befinden sich in den Sammlungen des British Museum, des Guggenheim Abu Dhabi und New York, des Mathaf: Arab Museum of Modern Art, Ullens Centre for Contemporary Art, Sharjah Art Foundation, Barjeel Art Foundation und Vehbi Koç Foundation, um nur einige zu nennen.

 

Ekrem Yalcindag wurde 1964 in Adıyaman geboren. Er schloss sein Studium an der Fakultät für Bildende Künste der Dokuz-Eylül-Universität in Izmir 1989 ab. Sein Masterstudium an seiner Alma Mater schloss er 1993 ab. Zwischen 1994 und 1999 studierte er bei Prof. Hermann Nitsch an der  Stadelschule Frankfurt.

Mit geometrischen und floralen Mustern, die das Handwerk preisen, stellt er die Verbindung zwischen Kunst und Design her, indem er die traditionellen Techniken der Malerei adaptiert. Während die Muster durch Wiederholung und Interaktion miteinander eine visuelle Täuschung erzeugen, stehen sie im kulturellen Kontext für Zeitlosigkeit (Vergangenheit-Gegenwart-Zukunft). 

Yalcındag erhielt Stipendien und nahm 2001 am Gastkünstlerprogramm in Schloss Balmoral und 2003 in der Villa Waldberta in München teil. Er hat zahlreiche Einzel- und Gruppenausstellungen in der Türkei und in Europa bestritten.

Seine Werke sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen zu sehen, darunter die Allianz-Sammlung in München, Borusan in Istanbul, EPO in Lahey, Sammlung Goetz in München, Istanbul Modern Art Museum in Istanbul, Kunstmuseum in Stuttgart und Rückversicherung in München.

Derzeit lebt und arbeitet Yalçındağ in Istanbul und Berlin.

Über die Werke:

Mohammed Kazem, Nr. L1 - Fluoreszierendes Gelb, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf gekratztem Papier, 2021

Mohammed Kazem, Nr. L2 - Fluoreszierendes Gelb, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf gekratztem Papier, 2021

Mohammed Kazem, Nr. K1 - Rosa, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf gekratztem Papier, 30,5 x 22,9 cm, 2021.

Mohammed Kazem, Nr. K2 - Rosa, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf gekratztem Papier, 30,5 x 22,9 cm, 2021.

Mohammed Kazem, Nr. J1 -  Blau, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf zerkratztem Papier, 2021.

Mohammed Kazem, Nr. J2 -  Blau, 30,5 x 22,9 cm, Acryl auf zerkratztem Papier, 2021.

Die hier gezeigten Arbeiten gehören zu Kazems mittlerweile ikonischer Serie von Kratzern, die er 1990 begann und seitdem in einer Vielzahl von Formaten und sogar Medien weitergeführt hat.

'Die 1990 neu entstandene Serie "Scratches" erinnert ein wenig an seine Impasto-Gemälde. Dabei benutzte er Papier, gelegentlich verstreute Farbe und eine Schere, um die Oberfläche des Papiers in einem organischen Muster rhythmisch zu durchbrechen, meist in einer einzigen Farbe. Die Sättigung des Pigments variierte je nach den Einstichen, die er in das Papier gemacht hatte.' (Paulina Kolczynska).

Ekrem Yacindag, Coloured Black, Durchmesser 150 cm, Acryl auf Leinwand auf Holzkonstruktion.

Die hier gezeigte Arbeit zeigt eine für Yalcindag erstaunliche farbliche Zurückhaltung ohne auf subtile Farbinteraktionen zu verzichten.

Vorherige „Paare" waren:

Jens Lehmann / Paul Zita. Text: Nicoletta Danila

Cristiana de Marchi / Susanne Schwieter. Text: Angelica Horn

Vroni Schwegler / Alex Katz. Text: Angelica Horn

Hannes Norberg / Peter Roehr. Text: Angelica Horn

Martin Holzschuh / Mohammed Ahmed Ibrahim. Text: Cristiana de Marchi

Anja Conrad & Lucas Fastabend. Text Angelica Horn

Susan Donath & Vroni Schwegler. Text Dr. Sonja Müller

Michael Klipphahn & Anna Nero. Text Angelica Horn

Hassan Sharif & Carolin Kropff. Text Cristiana de Marchi, Angelica Horn

 

Demnächst:

Cristiana de Marchi & Günter Zehetner. Text: Angelica Horn.

Die Ausstellung wird freundlicherweise vom Kulturamt Frankfurt unterstützt.

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