Makers & Menders
Sashiko

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Dinge, die man mit den Händen lernt, vergisst man nicht.

Eine Einführung in Sashiko 

Ein Workshop in Vorbereitung.

Was ist Sashiko:

Sashiko ist eine japanische Näh- und Stickmethode. Direkt übersetzt heißt Sashiko kleine Stiche.

Diese kleinen Vorwärtsstiche, die wegen ihrer Kürze an ein Reiskorn erinnern, dienten ursprünglich dazu, zwei Stofflagen zu verbinden um Stoffe zu stärken, wärmer zu machen und zu reparieren. Berühmte Vertreter sind die  Boros, die mit vielen dieser kleinen Stiche über viele Generationen hinweg entstanden sind. In alten Zeiten waren die Jacken ein Symbol von Armut, heute genießen sie Kultstatus und stehen symbolisch für den nachhaltige Umgang mit Resourcen.

Ursprünglich ist Sashiko also ein Stich zum Quilten, d.h. mindestens zwei Stofflagen werden durch Sashiko zusammengehalten. Damit werden die Stoffe fester und haltbarer und in ihrer Textur eigenartig. Diese Eigenschaft und das reiche Erbe, auf das wir zurückgreifen können, macht Sashiko zu dem idealen Thema des Slow Stitching- und Slow Fashion Movements und zu einer Quelle der Inspiration!

 

Sashiko kam zur Blüte in der Edo Periode (1603-1667) . Es wurde benutzt um alles, was ein Haushalt braucht herzustellen: vom Reinigungslappen, Furoshiki (Tücher zum Verpacken), Reisbeutel, Einlegesohlen, Feuerwehrkleidung, Arbeitskleidung (Hanten- und Donza Jacken usf.) Schürzen, Futonkisssen und Decken. Die kleinen Stiche dienten auch der spirituelle Praxis beim Nähen der funzo-e kesa, der buddistischer Priestermäntel. Ein Funzo-e wurden aus alten Stoffresten genäht, mit unversäumten Kanten, für die die Boros auch berühmt sind, und galt als ein Symbol der Bescheidenheit. Ihr Machen war ein Akt der Hingabe. Währenddessen wurden Gebete und Mantra rezitiert. Boros sind die berühmten 'Verkörperungen' von Sashiko.

Heute wird Sashiko auch beim Quilten und Sticken zu dekorativen Zwecken verwendet.

Der Stich ist ein einfacher Vorwärtsstich, der allerdings sehr kurz ist und in regelmäßigen Abständen auftaucht. Der Stich selbst ist nicht nur nützlich und effizient, er ist auch dekorativ.

Sashiko ist, wie die meisten handwerklichen Methoden, einfach und auch komplex. Je nachdem wie die Nadel rythmisch ihren Weg durch die Stofflagen finden, entstehen unendliche Muster und Variationen von Grundmustern sind möglich.

Traditionell wird Sashiko mit speziellen, langen und stabilen Nadeln und wenig gezwirnten Baumwollfäden ausgeführt. Wir können auch Stickgarne und Sticknadeln verwendet werden, die wir zu Hause haben.

Die Stichtechnik:

Sashiko bedient sich einer eigenen Handnähtechnik, die sich Unshin nennt. Dabei wird die etwa 5 cm lange Nadel mit Hilfe einer Art Schutzscheibe, die an einem Nähring befestigt ist und in der Handinnenfläche zu liegen kommt, wie eine Gardinenstange mit  regelmäßigen Auf- und Ab-bewegungen der Nadel durch den Stoff geführt wird. Dabei schiebt die Nadelhand die Nadel vorwärts, während die andere Hand den Stoff leitet.

Mit einiger Übung kann sehr schnell, sehr regelmäßig und meditativ genäht werden.

Als Herrenschneiderin, die die europäische Handnähtechnik mit dem Fingerring beherrscht, ist es faszinierend zu lernen, wie das Aufreihen der kurzen Stiche auf eine lange Nadel viel geradere Linien erlaubt als z. B. das Stich für Stich nähen mit einer sehr, sehr kurzen Quiltnadel.

Die Muster und Motive:

Bei Sashiko werden hauptsächlich geometrische Muster verwendet, die sich in zwei Hauptstile unterteilen lassen: Moyō-sashi, (Moyo bedeutet Muster) bei dem die Muster durch lange Reihen von Stichen entstehen, und Hitome-sashi, bei dem das Muster durch die Anordnung einzelner Stiche auf einem Raster entsteht. Sie können zusammen benutzt werden. Es werden auch figurative Muster entworfen. Die Variationen sind mannigfaltig.

Kuguri-sashi gehört zu den moyōzashi und ist eine zweistufige Stichtechnik, die wunderschöne, strukturierte Muster auf dem Stoff erzeugen. Im ersten Schritt wird ein Hitome-Sashi-Muster gestickt, im zweiten Schritt werden diese Stiche mit Nadel und Faden unterwebt. 

Kogin-zashi ist eine der Techniken des Sashiko, der seinen Ursprung in dem Teil der heutigen Präfektur Aomori hat und bei der die Fäden gezählt werden.

Wie übertragen wir das Muster?

Wir können die Raster und Motive direkt auf Stoff zeichnen. Wir können mit einen Kreidestift, einen Stift, der wasserlöslich oder bei Hitze verschwindet, Transferstift oder Bleistift mit Kohlepapier, das sich für Stoff eignet, die Muster auf dem Stoff verzeichnen.

Die Philosophie von Sashiko in Japan.

Das japanisches Wort monozukuri bedeutet übersetzt, Dinge (mono) herzustellen (zukuri). Unter Herstellen wird hier das Herstellen von Hand gemeint.

Monozukuri beinhaltet die japanische Arbeitsethik und ihr Streben nach Perfektion. Zu dieser Arbeitsethik gehört auch das Konzept von Mottainaizu schade zum Wegwerfen

Im Geiste von Boro und Mottainai, verwenden man, was man bereits hat. Reduzieren, Wiederverwenden, Recyceln und Respektieren. 

(Wangarĩ Muta Maathai (eine bekannte kenianische Sozial-, Umwelt- und politische Aktivistin und die erste Afrikanerin, die den Nobelpreis für Umwelt/Nachhaltigkeit erhielt, hat das Wort Muta Maathai geprägt).

Mehr Hintergrund dazu findet Ihr auf https://www.japanesesashiko.com/sashiko-story, der eine der Quellen meiner Recherche ist.

So st Sashiko eng mit der Idee des Visible Mending verbunden.

Was brauchen wir: 

Sashikonadeln/ Sticknadeln,

Sashikogarn, Baumwollstickgarn, Perlgarn,

Sashiko Nähring- Yubinuki- , optional, sehr nützlich - er kann auch selbst gemacht werden: 

(https://www.youtube.com/watch?v=rW96lpXKAgA)

Blauen oder anders einfarbigen Baumwollstoff und alles, was wir an Stoffen schon haben. 

Lineal - Quiltlineare funktionieren toll,

Kreidestifte oder andere Textilstifte, die wieder verschwinden, z.B. durch Hitze oder Wasser, hell oder dunkel je nach Stofffarbe. 


 

Bezugsquelle aus Deutschland:

https://www.kiseki.de/

https://diezauberscheren.de/fingerhuete/ringfingerhut-mit-platte-clover-6325.html